Beispiel-Workflow für Orchester & Tipps

Wenig überraschend handelt dieses Beispiel wieder von einfachem Input und daraus resultierendem organischen Output.

Wie Sie sehen können, sind die Figuren alle sehr einfach und geradeaus, wobei nur einige Akzente gesetzt und Ornamente hinzugefügt werden (Bläser, Klarinette).

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Ich habe die "Violins 1" mit dem Bleistift gezeichnet. Dann habe ich diese verschoben, umgedreht und etwas editiert für die "Violas". Die Streicher spielen abwechselnd jeweils schwere und leichte Taktzeiten um 1/8 gegeneinander verschoben, was einen Rhythmus wie auf Zehenspitzen erzeugt. "Violins 2" fügen nach vorne treibende Off Beat Akzente hinzu. Diese eine Figur ist im Grunde die Quelle für alle Streicher:

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Tipp: Für Hintergrund-Linien (Harmonie) sollten Sie die türkisen Symbole [v] verwenden (Vertikale Skala). Die sind am besten geeignet für das Verteilen von Harmonien über mehrere Instrumente. Um dies zu tun, transponieren Sie die Figur mit der Pfeiltasten auf oder ab, sodass jedes Instrument eine andere Stimme in der Harmonie spielt.

Tipp: Benutzen Sie das Auto-Chords Feature nicht für orchestrale Instrumente, es sei denn Sie wissen genau wozu. Auto-Chords erzeugt eng gesetzte Akkorde für Keyboard-Instrumente. In einem Orchester möchten Sie jedoch die meiste Zeit weit gesetzte, offene Harmonien mit mehreren Instrumenten spielen. Benutzen Sie dazu die oben genannte Methode.

Tipp: Die blauen Symbole [h] sind am besten für führende Melodien (Solo) und Ostinato. Diese folgen zwar auch der Harmonie, jedoch nicht so prägnant jedem einzelnen Akkord/Skala, was die Progression insgesamt undeutlicher macht.

Die "Basses" sind sehr einfach. Sie müssten noch verfeinert werden.

Hörner, Trompeten und Trombonen habe ich mit einem MIDI Keyboard aufgenommen und die Noten etwas hin und her geschubst, bis es gut passte.

Für die Klarinette habe ich eine Figur aufgenommen und etwas verfeinert. Ich habe sie auf der Zeitachse hin und her verschoben, bis der Rhythmus gut mit den anderen Instrumenten passte:

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Tipp: Benutzen Sie die grünen Symbole [c] für Bläser-Akkorde.

Tipp: Stellen Sie die Interpretation stark ein (Akkordtöne & Erweiterungen), wo Ihre Progression dramatisch und voller Spannungen ist. Halten Sie die Interpretation schwach, wo die Progression einfach und gefällig ist (voller Skalenumfang, mehr Durchgangsnoten).

Struktur

Der Stammcontainer enthält die oben abgebildete Textur. Die Harmonie habe ich mit einer Palette "gemalt". Sie folgt keinem Schema und hat auch keine Symmetrien. Das einizige Besondere an ihr ist die Blues-Wholetone Skala, welche die ganze Zeit verwendet wird. Dazu habe ich die Skala im Katalog doppel-geklickt und die Palette, die sich danach öffnet, benutzt, um die Progression zu "malen".

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Container B enthält lediglich Pause-Parameter für "Violins 2" und die Klarinetten. Container A ersetzt zwei Figuren für die Streicher mit einem langsamen Melodiefragment. Die Progression ist übrigens aus der Vorlage "Subtle Changes" entnommen. Ich habe sie transponiert und zwei Dominant-Akkorde am Ende hinzugefügt.
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Container C folgt der selben Idee, um etwas Variation hinzuzufügen. Die Figuren sind einfach und kurz. Harmony ist hier eine einfache Pop-Progression, die nach Des Dur transponiert wurde.
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Nach Part C kehrt das Stück zum Stammcontainer zurück, bis an zum Ende.

Tipp: Sie können jede Progression (Vorlage) chromatisch transponieren, damit sie gut mit den anderen Progressionen in einem Stück zusammenpasst (Sie finden den Tastaturkürzel dazu im Transformieren Menü).

Progressionen

Filmmusik und epische Orchesterwerke folgen keinem Vers-Schema, wie das bei Popmusik üblich ist. Das bedeutet, dass Sie völlig frei sind, nach Belieben "Akkorde malen" zu können. Die Paletten sind hervorragend dafür geeignet, Ihre Texturen "live" zu spielen, um verschiedene Skalen und Klangfarben auszuprobieren. Eine gelegentliche V-I Bewegung oder andere populäre Kadenzen sind gut dafür geeignet Teile miteinander zu verbinden. Sie werden aber nicht die gesamte Zeit benötigt.

Tipp: Wählen Sie den Container, in dem sich die Textur befindet, und machen Sie Container >> Erstelle Skizze. Jetzt können Sie die Textur in einer Palette spielen. Stellen Sie vorher sicher, dass alle speicherhungrigen Sounds im  globalen Rack gehostet sind, oder das RAM wird vermutlich vollaufen mit den Kopien, die Synfire für die Skizze erstellen muss.

Texturen

Obwohl ich bezweifle, dass dieser Begriff in der formalen Musikausbildung so verwendet wird, bedeutet "Textur" in diesem Zusammenhang Rhytmus und Klang des Zusammenspiels mehrerer Instrumente unabhängig von der Harmonie. Natürlich ist der Klang immer auch von der Harmonie abhängig, der Begriff ist also eher theoretisch. Andererseits rendert Synfire in gewisser Weise eine Textur durch Beleuchtung mit Harmonie, was den Begriff "Textur" in Analogie zur Computergrafik durchaus sinnvoll macht.

Die oben im großen Bild gezeigten Phrasen bilden gemeinsam eine Textur. Typischerweise packt man eine Textur in einen Container.

Ein besonders einfacher Workflow für Orchestrale Musik besteht darin, eine Anzahl verschiedener Texturen zu bauen und diese während des Verlaufs eines Stückes auf unterschiedliche Harmonien abzubilden.

Genau das habe ich gemacht: Das Beispiel benutzt nicht mehr als eine und eine halbe Textur (eine Textur plus etwas Variation). Die Erzählung, die Sie hören, alle die Aufs und Abs und subtilen Änderungen in der Stimmung sind ganz einfach das Resultat davon, wenn man eine andere Progression hinein wirft. Das ist die Magie von Synfire! Sehen Sie wie einfach der Input ist und was Sie am Ende zu hören bekommen.

Tipp: Bauen Sie verschiedene Texturen, schnell und langsam, sanft und dramatisch, jeweils passend für eine Stimmung in Ihrer musikalischen Erzählung. Benutzen Sie die eingebettete Library, um diese aufzubewahren. Erinnern Sie sich: Sie können ganze Container in eine Library werfen.

Tipp: Hosten Sie Ihre schwergewichtigen Sounds in einem globalen Rack, welches Sie zusammen mit den anderen Dateien des Projekts abspeichern. Arbeiten Sie an verschiedenen Ansätzen, Tetxturen und Ideen in verschiedenen Arrangements, die alle dieses Rack gemeinsam benutzen können.  Sie können so viele Arrangements offen haben, wie Sie möchten. Kopieren Sie Phrasen und Container zwischen den Dateien hin und her. Nutzen Sie diese Power.

Tipp: Bauen Sie eine Textur zunächst mit nur einem einzigen Akkord. Benutzen Sie einen großen, reichhaltigen Akkord und eine Skala, die Sie interessiert. Erstens werden Sie überrascht sein, wie lebendig ein einziger Akkord interpretiert werden kann. Zweitens werden Sie sich besser auf die Textur als solche konzentrieren können. Eine gute Textur passt sich später sehr gut an jede Progression an, die Sie ihr vorwerfen.

Hier ist noch einmal das Ergebnis. Es wurde mit EWQL Gold gerendert, ohne zusätzliche Effekte (außer einem Limiter).

Ich habe die originale Flasche Cognac angehängt, zum experimentieren:

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